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 zuletzt bearbeitet: 17.06.2010

     

Großer Bahnhof, wenig Neues bei der Informationsveranstaltung des Oberbürgermeisters  Hoffmann über die Verkehrsführung nach Schließung der Grasseler Straße im November.

Wenn Angela Merkel sich angesagt hätte, in der Grundschule Waggum am 16. Juni die aktuelle Politik zu erläutern, hätte es nicht voller sein können. Und das Polizeiaufgebot konnte sich auch sehen lassen. Einige zu spät Gekommene mussten draußen bleiben, obwohl mit gutem Willen noch Platz gewesen wäre. Auch der Autor dieses Berichts konnte nur mit dem Zauberwort "Presse" die dicht gestaffelten Polizeischranken überwinden.
 

Zu Beginn der Veranstaltung  gleich Drohgebärden des OB bei der Verfahrensbeschreibung - Akzeptanz oder Abbruch der Veranstaltung. Dann der Sachstandsbericht: Der Rat der Stadt will die Ostumfahrung - das OVG Lüneburg hat dies abgelehnt wegen des Vogelschutzgebietes - zumutbare Alternativen werden gesucht - die Landebahn kann aber schon vorher gebaut werden - die Tunnellösung ist out!

Danach zwei Präsentationen, eine Verkehrsprognose auf der Basis von Verkehrszählungen und eine zweite zu den Umweltfolgen, beide etwas langatmig und nicht unbedingt zielgruppengerecht, zumal die Visualisierung wohl aber der 4. Reihe nicht mehr zu erkennen gewesen sein dürfte. Untersucht wurden 3 Varianten, als dritte auch die vom OVG untersagte, die erste ohne eine Südumfahrung Waggums, die zweite mit einer solchen, beide Varianten aber über die sogenannte "Bienroder Spange", die eine Verkehrsentlastung Bienrodes bringen dürfte. Beiden ist gemeinsam, dass sie keine Auswirkungen  auf ein Schutzgebiet haben, aber wegen der zusätzlichen Kilometer auch zusätzliche Schadstoffemissionen CO2 zur Folge haben würden. Die Kosten für Straßenanpassung würden sich im 1stelligen mittleren Millionenbereich bewegen, die Rettungsdienste würden 1-2 Minuten länger zum Einsatzort benötigen, der Segelflugbetrieb müsste nach Westen verschoben werden, der Verkehrsübungsplatz nach Süden, aber der Bahnübergang würde sicherer! Hinsichtlich der Lärmobergrenzen würden die Grenzwerte nicht überschritten, es würde aber durch den zunehmenden Verkehr lauter, so dass in Waggum  "Handlungsbedarf im Schallschutz" bestände, ebenso bei der "Bienroder Spange".

Die erforderlichen straßenbaulichen Maßnahmen würden rechtzeitig abgeschlossen sein, wie der Leiter des Fachbereichs Tiefbau und Verkehr dann ausführte.  Die "Spange" Ende Oktober, die Anbindung der H. Blenk-Str. Anfang November, woraufhin dann die Sperrung der Grasseler Straße erfolgen würde. Die neue Streckenführung wird mit einem Rad- und Fußweg versehen werden, beleuchtet, dies soll 2011 geschehen. Die Taktzeiten der Busse mit der neuen Streckenführung (über die noch zu entscheiden ist) bleiben unverändert, 15minütig zum Flughafen, nach Bevenrode dann im Stundentakt. In der Fragestunde wurde dann von einem Bürger eine Verkürzung der Taktzeit gefordert. Schade, dass hier kein Entgegenkommen der Verkehrs-AG  festzustellen war, was den Unmut der Bürger, gerade in den neuen Baugebieten,  über die neuen längeren Fahrzeiten vielleicht gemildert haben könnte! Auch beim  Schulbusverkehr muss ja mit 5-7 Minuten längerer Fahrzeit gerechnet. Aber Entgegenkommen zu erwarten ist wahrscheinlich vor dem Hintergrund des harten Verfahrens in der Sache , das unsere Stadtverwaltung pflegt,  zu viel verlangt!

So weit, so schlecht! Um 20.45 Uhr wurde dann die Bürgerfragestunde eingeläutet, wieder mit Verfahrensvorschriften belegt, die auf Unverständnis stießen: Nennung von Namen und Adresse - nur Bürger des Noch-Stadtbezirks waren frageberechtigt. Die Braunschweiger Bürgerschaft genügte nicht. Dies führte zu der Peinlichkeit, dass eine Vertreterin der Bürgerinitiative, die in Hondelage wohnt, eine Vollmacht einer Bezirksangehörigen vorlegte, um in deren Namen  Fragen zu stellen - sie hatte wohl schon Erfahrungen gesammelt mit unserer Stadtregierung - unglaublich!  Hinzu kam noch die Angst der Versammlungsleitung, die Mikrophonhoheit zu verlieren, so dass die Fragenden sich einem jüngeren Mitarbeiter der Stadtverwaltung unziemlich dicht nähern mussten, um gehört zu werden. Hier wurde deutlich, was Pastor Dedeking meinte, als er, am Mikrophon ebenso behandelt, von einer Bedrohung des sozialen Friedens und der demokratischen Kultur sprach.

Ansonsten sorgten sich die Fragenden um die Sicherheit der neuen Schulwege, um den Lärmschutz, besonders am Lönsweg in Bienrode. Hier fand Frau Folwatschni bewegende Worte über die Zerstörung ihres Friedens, den sie nach einem schwierigen Leben gerne noch genossen hätte. OB Hoffmann fand es angemessen, in seiner Replik auf die Opfergrenze bei Bebauungsplänen hinzuweisen, die von der Gerichten sehr hoch gesetzt worden wäre.  Bezirksbürgermeister Kliesch musste sich böse Vorwürfe machen lassen, was die Wahrung der Interessen des Stadtbezirks anging, er nahm aber keine Stellung dazu, obwohl er auf dem Podium saß. Auch der Eremitenkäfer wurde noch einmal ins Gespräch gebracht, der ja aufgrund seiner besonders Stellung im Naturschutzrecht durchaus in der Lage sein könnte, das Projekt in Frage zu stellen. Die Stadtverwaltung hielt sich wohl deshalb auch sehr bedeckt.

Abschließend nahm der Oberbürgermeister dann noch einmal das Wort, um den Werdegang der Flughafenerweiterung zu beschreiben. Danach soll bereits vor seinem Amtsantritt 2001 entsprechende Pläne verfolgt worden sein (auch die Variante der Osterweiterung? K.N.), im Übrigen hätten sich die beteiligten Politiker immer öffentlich dafür ausgesprochen und wären trotzdem gewählt worden. Womit er ja wohl recht hat. Was die Haltung der Stadtverwaltung zur Entscheidung über die Auswahl der Variante angeht, würde er sich nach wie vor an den Ratsbeschluss halten, die Ostumfahrung zu wählen, er sähe keinen Anlass, initiativ zu werden. Dass die vorbereitenden straßenbaulichen Maßnahmen für die westliche Trassenführung bereits geplant und möglicherweise beauftragt sind, mag verstehen, wer will. 

K.N.

 

 Foto: Uta Lütge